Leserbrief Bergedorfer Zeitung 09.05.2019

PRÄNATALE DIAGNOSTIK

„Aktiv für ihre Tochter mit Trisomie 21 entschieden“

Betr.: „Umstrittener Bluttest", Politik und Meinung-Seite vom 11. 4. 2019

Die zentrale Frage: Wie gehen werdende Eltern mit der Diagnose eines erbanlagen-anderen, „kranken“ (?) Kindes um?

 

In 25 Jahren meiner Niederlassung als Frauenärztin hat sich EINE Schwangere aktiv für ihre Tochter mit Trisomie 21 entschieden. Die Familie erlebt sie als wundervolle Bereicherung, genauso, vielleicht noch mehr, wie andere Familien ihre Kinder auch. Die junge Frau ist mittlerweile bei mir als Patientin. Es gibt drei Ausgänge, die bei jeder (!) Art pränataler Diagnostik der Erbanlagen möglich sind: Gewissheit, dass die Erbanlagen des Kindes normal sind. Das Wissen, dass die Erbanlagen anders sind und damit die Möglichkeit, sich vorzubereiten.

 

Der Abbruch der Schwangerschaft, aus Angst vor Überforderung, ja auch vor der Reaktion der Gesellschaft. „Wie konnte das passieren?“; im Sinne von: warum ist „das“ während der Schwangerschaft „übersehen“ worden.

 

„Hauptsache gesund“ heißt es oft, ich kontere: „Hauptsache geliebt“. Es gibt viele andere nicht-erbliche Krankheiten, die eine Herausforderung darstellen, wenn man sich für das Leben mit eigenen Kindern entschieden hat.

 

Annette Klöpper
21029 Hamburg